Archiv der Kategorie: Bericht

Schleswig-Holstein – Neue Vorträge

Lübeck per Farrahdtaxi

Reiseberichte über fremde, weit entfernte Länder gehören ja bereits zu unserem Alltagsgeschäft.

Da mag es für manchen überraschend erscheinen, dass wir uns aktuell der näheren Umgebung widmen. In einer Rundtour – natürlich per Wohnmobil – erkunden wir das meerumschlungene nördlichste Bundesland, Schleswig-Holstein.

Schleswig Holm und Dom

Dass diese spannende Entdeckungsreise auch in mehreren DiaVorträgen mündet (ein begleitender Reiseführer ist in Arbeit), kommt für diejenigen, die uns kennen, sicherlich nicht unerwartet.

Wolf Janosch

Drei Reiseberichte / Diavorträge können ab Januar 2018 präsentiert werden.

Näheres zu Termin und Ort gibt es wie gewohnt unter Termine.

Saisonauftakt mit Fotoausstellung und Diavortrag

Australien lautet das Thema, womit wir unsere Vortragssaison 2017/18 einläuten. Auf dem Programm stehen eine Fotoausstellung und der Start zu einer Rundtour Australien (Teil 1: Reisebericht / Diavortrag – Montag, 11. Sept. 2017, 18h, Sparkasse Holstein, 23843 Bad Oldesloe).

Hier geht es zur Beschreibung der Fotoausstellung: https://ga-wo.leichsenring.net/kreativ/?page_id=2135

Und die Rundtour ( Reiseberichte / DiaVorträge) wird fortgesetzt am:

TEILE 2 + 3

In den tropischen Norden Australiens OSTEN

Sonntag 03. Dezember 2017 – 14.30 Uhr

Kein Krokodil kann klettern Australiens NORDEN

Sonntag 03. Dezember 2017 – 16.00 Uhr Eintritt: frei(willig)

Historischer Rathaussaal im KuB

23843 Bad Oldesloe

Beer-Yaacov-Weg 1

Selbstkostenpreis  

TEIL 4

Durchlöcherte Einsamkeit

Australiens WESTEN

Dienstag 06. Februar 2018 – 19.00 Uhr

Eintritt: €4,00

eine Veranstaltung der VHS Bad Oldesloe

Historischer Rathaussaal im KuB

23843 Bad Oldesloe

Beer-Yaacov-Weg 1

Unsere weiteren Vortragsthemen: https://ga-wo.leichsenring.net/reisen/?page_id=9

und deren Termine: https://ga-wo.leichsenring.net/reisen/?page_id=4

Vielleicht ist auch für Sie / Euch etwas dabei.

Wir freuen uns auf ein interessiertes Publikum.

Nordamerika in Bild und Wort

Nordamerika in Bild (Fotoausstellung) und Wort (Reisebericht / DiaVortrag)

California Death Valley

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, von einer doppelten Durchquerung des nordamerikanischen Kontinents.

Florida Key West

In der Fotoausstellung von Gabriele Leichsenring können Sie mitträumen.

Besichtigt werden kann die Ausstellung vom 01. bis 28.Febr. 2017  im Rathaus der Stadt Ahrensburg (während der regulären Öffnungszeiten).

Alaska Denali National Park

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung präsentiert Wolf Leichsenring einen Reisebericht/DiaVortrag zum Thema

„Vom Subtropischen zum Subarktischen“.

Diese Vortragsveranstaltung findet statt am

Mittwoch, dem 01. Febr. 2017 um 19.00Uhr.

Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

Florida Everglades

Die Stadt Ahrensburg und das Ehepaar Leichsenring freuen sich auf viele Gäste.

Adventlicher NEUSEELAND-DiaVortrag

Neuseeland – Inseln aus Feuer und Eis

Wellington - Cristmas Parade
Wellington – Cristmas Parade

Warum nicht einmal einen Adventsnachmittag mit Neuseeland verbringen?

Zu einem ausführlichen Reisebericht / DiaVortrag laden die beiden Reisejournalisten Gabriele und Wolf Leichsenring ein. Sie werden über ihre dreimonatige Wohnmobilreise durch dieses wunderschöne Land berichten.

Mount Cook - Südinsel
Mount Cook – Südinsel

Im ersten Teil widmen sie sich ausführlich der Nordinsel, vom neuseeländischen „Nordkap“ bis hinunter an die Südspitze zur Hauptstadt Wellington.

Im zweiten Teil umrunden wir dann die Südinsel, den Teil Neuseelands, welcher geprägt ist von der Gletscherwelt und dem weltberühmten Fjordland.

waitangi-maori-center-dscn1338Und immer wieder begleitet die Kultur der Ureinwohner, der Maoris die Reise.

Adventliches bei Getränken und Gebäck wird nicht zu kurz kommen (zum Selbstkostenpreis). Zusätzlich nehmen die beiden Weltenbummler Sie mit auf die „Christmas Parade“ in Wellington.

 

Eintritt für DiaVortrag: FREI(willig)

Termin: Sonntag, 11. Dezember 2016 (3. Advent)

Zeit: ab 14.30Uhr (Teil 1), ab ca. 16.00 Uhr Teil 2.

Bleiben Sie, solange sie möchten. Es ist auch möglich, nur an einem Vortragsteil teilzunehmen.

Ort: Bürgerhaus, 23843 Bad Oldesloe, Mühlenstraße 22

60.000km – AUSTRALIEN

koala-mit-jungtier-dscn9496Unsere Reiseeindrücke spiegeln sich nicht nur wider in den zahlreichen Blogs, die wir von unterwegs geschrieben haben, nicht nur in dem Buch, welches im Frühjahr 2017 erscheinen wird. Sondern, wer unsere Australienrundfahrt noch einmal miterleben möchte, der besuche uns doch zu einem oder mehreren der fünf verschiedenen DiaVorträge. kaenguru-dscn1607

Hier ihre Titel:

AUS 1 – Der Grüne Smaragd Australiens – TASMANIEN. 

AUS 2 – Vom Urwald ins Outback – Australiens Süden

krokodil-img_20160510_105541AUS 3 – In den Tropischen Norden – Australiens Ostküste

AUS 4  – Kein Krokodil Kann Klettern – Australiens Norden

AUS 5 – Durchlöcherte Einsamkeit – Australiens Westen

emu-dscn0230Wann und Wo wir unsere Reiseberichte / Diavorträge (nicht nur über Australien) präsentieren, steht auf dieser Website unter Termine.

Vielleicht treffen wir uns  ja mal auf einer unserer Veranstaltungen.

Bis dann

K&K 82 – Juwelen zum Finale

Der letzte Tourenabschnitt liegt vor uns. Rund 350km verbleiben noch von Augusta am Cape Leeuwien bis nach Perth / Fremantle, von wo aus unser Wohnmobil  rückverschifft wird nach Deutschland. Auch diese finale Teilstrecke ist noch einmal gespickt mit touristischen Juwelen.

Jewel Cave
Jewel Cave

Auf den ersten Besichtigungsedelstein treffen wir gleich etwas nördlich von Augusta, auf der Cave Road. Damit ist das Stichwort gegeben. In der Region gibt es mehrere Höhlen zu besichtigen. Entlang der Cave Route durch die Margaret River Region öffnen sie dem Besucher ihre  Höhlenzugänge, die Ngilgi Cave, die Mammouth Cave, die Lake Cave und die Jewel Cave.

Die letztere, die Juwelenhöhle, gilt als größte in Westaustralien. Rund 600 Stufen sind treppauf treppab zu bewältigen, um sich diesem optischen Wunderland hingeben zu können. Eine 90-minütige Höhlentour führt vorbei an riesigen Stalagniten, an Sandsteinvorhängen, an Felsformationen, die aussehen wie Orgelpfeifen oder wie ein gefrorener Wasserfall. Geschickte Ausleuchtung unterstützt den Eindruck einer verwunschenen Welt. Vorbei führt der Höhlenmarsch weiter am steinernen „Korallenriff“ mit Unterwasserimpressionen. Die Höhle selbst soll einige Millionen Jahre alt sein. Entdeckt wurde sie allerdings erst in den 1950ger Jahren.

Busselton - Underwater Observatory
Busselton – Underwater Observatory

Die Margaret River Region strotzt nur so vor Weingütern. Die „Höhlenstraße“  könnte ebenso gut „Weinstraße“ genannt werden. Dieser Weintourismus läuft schließlich konzentrisch im Ort Margaret River zusammen.

Bunbury
Bunbury

Als Endpunkt der „Cave Road“ gilt der kleine Ort Dunsborough. 15km nördlich vom Ortskern treffen wir auf das Pendant zum Cape Leeuwien, das mit ebenfalls strahlend weißem Leuchtturm bestückte Cape Naturaliste. Welche Landspitze gibt sich spektakulärer? Das muss nicht entschieden werden. Beide Kapps lohnen den Anfahrtsweg.

Die Abkürzung „B&B“ steht an dieser Küste nicht so sehr für „Bed & Breakfast“ sondern für die beiden folgenden Küstenorte Busselton & Bunbury. 1,841km weit ragt die Jetty in Busselton in den Indischen Ozean hinein, ist somit die längste in Westaustralien. An ihrem Ende heißt es nicht einfach umkehren und sich vom kühlen Frühlingswind nun von der anderen Seite durchpusten zu lassen. Wem der Weg zu weit oder zu kalt ist, der nehme die Mini-Eisenbahn für Hin- und Rückweg. An der Spitze der Seebrücke wurde ein einzigartiges Unterwasserobservatorium gebaut. Auf mehreren Etagen mit Sichtfenstern beobachten wir so die Unterwassermikrowelt zwischen den Brückenpontons. Es ist erstaunlich, welch reges Treiben dort unten in acht Metern Tiefe herrscht, nicht Aquarium, sondern realistische Meeresfauna und –flora. Wie uns unsere Fremdenführerin erläutert, bedarf es eines Zeitraumes von 10 – 12 Jahren, um an den Pontons diese Art von Korallenwelt entstehen zu lassen.

Hoch oben auf einem der zahlreichen Hügel Bunburys thront sie, die immense Bischofskirche St. Patrick’s Cathedral. In ihrer modernen Pracht (2011 eingeweiht als Ersatz für die marode Kirche aus dem 15. Jahrhundert) beherrscht sie die städtische Skyline. Außen wie innen präsentiert sie sich als optischer Juwel.

Dolphin Watching
Dolphin Watching

Westaustraliens zweitgrößte Stadt Bunbury (knapp 65.000 Einwohner) kann zusätzlich zu seinen  malerischen Küstenausblicken, seinem Leuchtturm im Schachbrettmuster, dem Boardwalk durch Mangrovenwälder rund um das Leschenault Inlet oder dem belebten Cappuccino Strip (Victoria Street)  mit Stolz verweisen auf sein Dolphin Discovery Center (www.dolphindiscovery.com.au) . Ähnlich wie im nördlichen Monkey Mia kommen auch hier die Delphine in die Bucht geschwommen zur Interaktion mit den Menschen. In der Ausstellung selbst erfahren wir viel  Wissenswertes über Kraken, Haie und Schildkröten. 15-minütige Filmstreifen, zum Teil im 3-D-Format, veranschaulichen hervorragend die Unterwasserwelt.

Mandurah - Canal Cruise
Mandurah – Canal Cruise

Die Delfin-Praxis erleben wir dann später auf der „Eco Cruise“. 90 spannende Minuten lang kreuzen wir durch die Gewässer der Koombana Bay. Die erste Delfinsichtung lässt nicht lange auf sich warten. Kein Wunder, denn in der Bay haben seit Jahren rund 200 Exemplare ihren festen Wohnsitz. Sie leben dort in einer ständigen Delfinkolonie und scheinen sich pudelwohl zu fühlen. Der nahe Industriehafen von Bunbury scheint sie nicht zu stören. „Im Gegenteil!“, erklärt uns der Skipper, „Durch das ständige Ein- und Auslaufen der Frachter werden so viele Nährstoffe und Fischschwärme aufgewirbelt, dass die Delfine nicht lange nach Futter suchen müssen. Also, wer ein brillantes Delfin Watching erleben möchte, im Discovery Center bietet sich dafür eine hervorragende Gelegenheit.

Mandurah - Palazzo
Mandurah – Palazzo

Europa nähert sich uns merklich in Riesenschritten An der Südküste bei Albany erspähten wir ja bereits dänische Anflüge durch die Ortsbezeichnungen  Denmark und Bornholm. 100km südlich von Perth / Fremantle hallt es nun italienisch wider. Sorrento nennt sich ein Stadtteil im nördlichen Bereich von Perth. San Remo hingegen erstrahlt in der Küstenstadt Mandurah. Damit nicht genug. Diese adrette Kleinstadt gibt sich modern venezianisch. Wie im alten, ehrwürdigen Venedig durchziehen unzählige Kanäle den Ort. Sie wirken nicht  nur wie ihr europäisches Vorbild, sie nennen sich auch Venetien Canals.

Mit Mandurah Cruises (www.mandurahcruises.com.au) gleiten wir knapp 90 Minuten als „Dolphin & Scenic Canal Cruise“ durch die Welt der Villen und Palazzi. Mancher Architekt muss den ursprünglichen Venedig-Stil ausgiebig studiert haben, so stark ähneln manche Gebäude ihren Vorbildern hier im fernen Australien. Fast könnte man meinen, unter der originalen „Seufzerbrücke“ hindurch zu fahren. Alles eben nur nicht viel älter als 20 Jahre. Cruise und Stadt stellen ein wirkliches Erlebnisjuwel dar, das wir gern weiterempfehlen.

Rockingham - Memorial
Rockingham – Memorial

Nach Italien schimmert es schließlich auch noch griechisch unter australischem Westküstenflair hervor. Nur noch 40km südlich von Perth / Fremantle, in Rockingham, ist der zentrale Memorial Park mit einem Kreis aus hohen, griechischen Säulen geschmückt. Er sieht aus wie eine runde Akropolis ohne Dach.

Penguin Island
Penguin Island

Die Hauptattraktion in der Stadt mit überbordender, malerischer Küstenlinie befindet sich wenige Kilometer außerhalb, im spektakulären Shoalwater Islands Marine Park. Nach zehnminütiger Fährüberfahrt legen wir auf der vorgelagerten Penguin Island an. Auf dieser Miniinsel (2km Rundgang) lebt die größte Minipinguinkolonie Westaustraliens. Rund 600 Brutpaare sichern den Bestand. Um diese Pinguinkolonie zu schützen, wurde auf der Insel ein kleines Research & Discovery Center errichtet.

Blue Penguins
Blue Penguins

Die Ehrenamtler kümmern sich um ausreichende Anzahl an Brutmöglichkeiten. Außerhalb der Brutsaison werden in ihm verwaiste Pinguinjungen aufgezogen, bevor man sie ins freie Leben entässt. Besucher können der drei Mal täglichen Fütterungszeremonie beiwohnen. Zur Erforschung der umliegenden Inselwelt und Gewässer des Marine Park lädt Penguin Island Cruises (www.penguinisland.com.au)  mit ihrem Glassbottom Boat ein zur „Penguin & Sea Lion Cruise“. Penguin Island auch dieses Inseljuwel sollte nicht ausgelassen werden.

Wer erinnert sich an das Anfangskapitel unserer Australienberichte? Wir hatten es überschrieben mit „Es begann als Gefängnis – Sydney“ (vgl. K&K30).

Am Endpunkt unserer Australienrundfahrt, in Fremantle, könnten wir eigentlich einen ähnlichen Kapiteltitel wählen. Denn auch an diesem historischen Ort spielt die Geschichte der ehemaligen Sträflinge eine gewichtige Rolle. Näheren Einblick hierzu erhalten wir im „Fremantle Prison – The Convict Establishment“ während der „Great Escape Tour“.

Wir benötigen keine Fluchtmöglichkeit, um nach Europa, nach Deutschland zurückzukehren.

Fremantle - Containbow
Fremantle – Containbow

Unter dem neun Tonnen schweren Fremantle Container-Kunstwerk, dem in Regenbogenfarben gehaltenen „Containbow“ seufzen wir noch ein wehmütiges bye-bye.  Anschließend geht es zur Verladung unseres Wohnmobils zum Fremantle Hafen, wo der Roll-On-Roll-Off-Ozeanriese bereits wartet. Abschließend heißt es,  das Flugzeug zu besteigen.

Bye Bye
Bye Bye

Bereits in der Luft winken wir nach neun Monaten Rundtour dem  bezaubernden australischen Kontinent noch einmal ein herzliches AUF WIEDERSEHEN zu.

K&K 81 – Unter KathedralenKuppeln

Westlich von Albany fühlen wir uns streckenweise fast wie in Europa. Denn Denmark liegt nicht mehr weit. Vorher passieren wir noch Bornholm. Die Landschaft ähnelt derjenigen von Jütland, grün, wellig, fruchtbar. Und in diese scheinbare Unberührtheit der Küstennatur sind sie eingenistet, die Minisiedlung Bornholm und die Kleinstadt Denmark. Für uns sind sie Durchgangsstationen auf dem Weg quer durch The Great Southern (touristische Bezeichnung) in die dichten  Eukalyptuswälder mit den riesigen Karribäumen.

Raue Südküste
Raue Südküste

Der Southern Coast Highway / HWy 1 verläuft nicht direkt an der Küste, wie man auf Grund des Namens erwarten könnte. Um den Southern Ocean immer wieder zu Gesicht zu bekommen, nehmen wir die kleinen Abstecher-Straßen zum Meer. Die meisten weisen zwar nur Unsealed Road auf, aber es bleiben immer noch genügend Teerstraßen übrig. Oft führen diese Stichstraßen durch National Parks wie z.B. den West Cape Howe NP, die Peaceful Bay oder den William Bay NP. Geprägt werden alle diese Parks durch Dünen, auf denen dichtes, fast undurchdringliches Buschgestrüpp wuchert. Die sicherlich zeitintensiven Abstecher lohnen. Der raue südliche Ozean bietet immer wieder ein bezauberndes Schauspiel der sich brechenden Wellen an den zahlreichen schroffen Kliffs. Soviel ständige Meeresunruhe, auch bei vermeintlicher Windstille, sucht ihresgleichen.

Einfahrt ins Tal der Riesen
Einfahrt ins Tal der Riesen

Als hauptsächliches Ziel steuern wir „Das Tal der Riesen / The Valley of the Giants“ an. Seine Bezeichnung erhält dieser dichte Wald eben durch die riesenhaften Karribäume, eine hier außerordentlich weit verbreitete Art des Eukalyptus. In 70m Höhe wölbt sich dann eine dichte Baumkrone und verschließt den Blick auf den Himmel.

„Surely“, argumentiert der australische Naturforscher Vincent Serventy, „there can be no greater cathedral than forests such as those of the karri / Sicherlich gibt es keine größere Kathedrale als diejenige in den Wäldern von Karribäumen“. So wandeln wir nunmehr unter schier endlosen Kathedralenkuppeln.

Die Bodenwanderung ist die eine Sache, die Vogelperspektive auf diese Kathedralenkuppeln die andere. Diese Gelegenheit mit dem „Blick von oben“ erhalten wir kurz vor dem Ort Walpole beim „Tree Top Walk“. 40m hoch führt der schwankende Brückensteg hinauf in die Baumkronen. 600m Vogelperspektive gönnt er uns auf die uralten, bis 400 Jahre lebenden Karribäume. Sie werden auch Red Tingle genannt wegen ihrer faserreichen, grauroten Rinde, welche sich regelmäßig abschält. Lange, große Rindenfetzen hängen an den Stämmen herab wie Schalen einer halb gepellten Banane.

Tree top Walk
Tree top Walk

Wieder festen Boden unter den Füßen durchschreiten wir das Tor zum „Ancient Empire / Altes Reich“. Hier stehen die Urahnen der Karris in dichter Formation. Je höher ihr Alter umso ausgehöhlter ragen sie empor. Die dicksten Stämme, die bis zu 20m Umfang erreichen, bilden nicht nur Baumhöhlen, sondern auch mannshohe Durchgänge. So vergeht rasch ein halber Tag inmitten der kathedralen-ähnlichen Wildnis.

Karribaum
Karribaum

Wie im Outback oft erlebt weisen auch hier an der Südküste die eigentlich unscheinbaren, vom Tourismus nur bedingt geküssten Orte immer eine kleine Besonderheit auf. Denmark könnte als das Mekka für Naschkatzen gelten mit seinem Temptations Gourmet Café, der Toffee Factory und dem Chocolat Outlet. Die Gemeinde Walpole hält es dagegen eher mit der Kunst. Nur wenige Kilometer entfernt lassen wir den „Swarbrick Art Loop“ nicht aus. Kunstobjekte, eingefügt in Wildnislandschaft betrachten wir auf einem rund einen Kilometer langen Waldrundgang. Der Gallerist „Natur“ hilft den Künstlern, ihre Kunstwerke gebührend zur Geltung kommen zu lassen. Wenn man schon in dieser Australienecke weilt, man sollte sich diesen Kunstgenuss nicht entgehen lassen.

Walpole - Wildniskunst
Walpole – Wildniskunst

Die touristische Bezeichnung der Region wechselt auf „Southern Forests“. Die Landschaft bleibt wie gehabt, wenn man nicht rechnet, dass die Wälder dichter werden. Allerdings nimmt die Anzahl der ausgewiesenen National Parks zu. Auf der linken Straßenseite lesen wir so „Shannon NP“, genau gegenüber auf der rechten „Mount Franklin NP“. So geht es ununterbrochen, als ob dieser Küstenabschnitt ein einziger National Park ist. Mittendrin in dieser Naturschutz-Gebietsansammlung finden wir dann die Waldgemeinde Northcliffe. In diesem Dorf gibt es wiederum einen besonderen Anziehungspunkt zu erwähnen.

Northcliffe - Wildniskunst
Northcliffe – Wildniskunst

Gleich hinter dem Visitor Center beginnt der  „Understory Artworks Trail“ (www.understory.com.au) . Mehr als 50 nationale und internationale Künstler haben diesen 1,5km langen Rundgang mit ihren Kunstwerken bestückt. Wie in Walpole sind die Werke in die Wildnis der Natur integriert, manchmal so angepasst, dass wir sie erst auf den zweiten Blick entdecken können. Wie deuten es die Künstler in ihrer erläuternden Broschüre? Sie schreiben: „Skulpturen, Geschichten, Poesie und Musik erforschen unsere Verbindung mit der Natur und dem Geist an solch einem Ort“. Optisches, Literarisches und Akustisches hüllen diesen besonderen Ort in eine verklärende Atmosphäre ein. Diese Stimmung legt sich nach dem Kunstgenuss erst allmählich wieder, als wir in Richtung Windy Harbour, 25km südlich von Northcliffe, weiterfahren. Unterwegs passieren wir die aus dem Wald hervorlugende und die Baumkronen überragende Granitformation Mount Chudalup. Sie gehört, wie viele andere Berge auch, zum ausgedehnten Küstennationalpark  D’Entrecasteaux. Hoch hinauf folgen wir der Straße zum Leuchtturm auf dem windigen Point D’Entrecasteaux.

Unter KathedralenKuppeln
Unter KathedralenKuppeln

Ein weiteres Mal tauchen wir ein in die Kathedralenbaumwelt. Die Kleinstadt Pemberton, ebenfalls Waldort mit Akzent auf Holzwirtschaft, bietet eine Triebwagenfahrt ins Dickicht des Karribaumurwaldes an. Unter den grünen Kuppeln rumpeln wir mit 20km/h über mehrere abenteuerliche Holzbrücken aus der Pionierzeit bis zu den Stromschnellen „Cascades“ im Gloucester National Park. Während der 15-minütigen Fahrtunterbrechung gönnen wir uns einen Rundgang um die Stromschnellen. Anschließend rattern wir im Gleisstakkato zurück zum Ausgangsort. Der Gloucester National Park umschließt fast den gesamten Ort. Nur wenige Kilometer entfernt stoßen wir auf den höchsten Karribaum der Region, den Gloucester Tree (96m hoch). Dem armen Baumriesen wurden allerdings unzählige stabile Eisenstäbe in den Stamm getrieben, damit Kletterwütige die Möglichkeit haben,  die Aussichtsplattform in 70m Höhe zu erklimmen. Erstaunlich relativ reges Treiben herrschte auf der Spiralleiter. Ehrlich gesagt war diese Kletterspirale in erster Linie nicht für touristische Aktivitäten ausgelegt. Die kamen erst später. Ursprünglich kletterte ausschließlich der Waldbrandbeobachter auf den luftigen Ausguck.

Southern Ocean
Southern Ocean

Nach Stromschnellen und Kletterbaum treffen wir auf der Weiterfahrt zum Cape Leeuwien noch auf einen richtigen Wasserfall, die Beenelup Falls im gleichnamigen National Park. Auch um ihn wandern wir wieder herum auf dem ausgewiesenen Loop über eine stark schwankende Hängebrücke und unzähligen Treppenstufen.

Indian Ocean
Indian Ocean

Gegen Abend ist unser Ziel erreicht, das Städtchen Augusta am windig-stürmischen Cape Leeuwien. Weithin sichtbar glänzt der strahlend weiße 39m hohe Leuchtturm in der Sonne. Er gilt als höchster Leuchtturm Australiens. Natürlich wird auch dieses besondere Kapp durch den Nationalparkstatus geschützt. An diesem denkwürdigen Ort steht der Betrachter an der Grenzlinie zwischen Southern Ocean und Indian Ocean. Direkt an der Kappspitze treffen die beiden Meeresströmungen aufeinander.

Cape Leeuwien
Cape Leeuwien

Weiter westlicher und südlicher geht es nun nicht mehr. Der Kontinent endet am Cape Leeuwien. Somit bleibt uns jetzt nur noch die nördliche Westküstenrichtung übrig nach Perth/Fremantle zur Rückverschiffung unseres Wohnmobils.

DIAVORTRÄGE über AUSTRALIEN komplett

Königslöffler
Königslöffler

Buchstäblich eine ganze Hand voller mitreißender Reiseberichte / Diavorträge können wir nunmehr präsentieren. Auch die Ausgabe Nr. 5 steht jetzt bereit.

AUS 5 – Durchlöcherte Einsamkeit – Australiens Westen

Dieser Vortrag rundet den Strauß unserer Diavorträge über den 5. Kontinent ab.

Hier die anderen vier:

AUS 1: TASMANIEN – Der Grüne Smaragd Australiens. 

AUS 2: Vom Urwald ins Outback – Australiens Süden

AUS 3 – In den Tropischen Norden – Australiens Ostküste

AUS 4  – Kein Krokodil Kann Klettern – Australiens Norden

K&K 80 – Orte voller Hoffnung

Nennen wir es doch einfach den Tourenabschnitt, in dem irgendwie ein  Hoffnungsbezug sichtbar wird. Bei den ersten beiden Orten an der Südwestküste liegen die Dinge einfach. Die Orte tragen die Hoffnung bereits im Namen: Esperance bzw. Hopetoun (=Hopetown). Beim 500km westlich gelegenen Albany wird dieser Aspekt nicht gleich sichtbar.

Wir schieben zunächst erst einmal einen Aspekt ein, von dem wir hoffen, dass die Übertreibungen sich in Grenzen halten. Wir meinen den starken Hang der Australier zum Superlativ. Auf vielen Gebieten zeigt  sich diese Neigung, besonders aber natürlich in der Tourismuswerbung. Die ständige Erwähnung von Superlativen hat System, fast als ob sie als Lebenselexier dient. Alles gibt es nur noch in Superlativen, nicht nur hier in den Orten am Southern Ocean. Es scheint, als ob der Australier sich eine Landschaft, eine Tour oder ein Produkt ohne Superlativ nicht mehr vorstellen kann.

Wer soll die schönsten Strände von Südwestaustralien haben? Esperance! Wo gibt es das ausgefallenste Geschäft der Region? Esperance! Wo fange ich auf Angeltouren die meisten Fische? Esperance! Wer hat den tiefsten Hafen Westaustraliens? Esperance! So sind wir also in dem Küstenort der Superlative angekommen. Komisch wird diese Form von Werbung allerdings, wenn in einem kleinen Ort – nicht Esperance! – an einem Fastfood Restaurant die Werbung prangt „Best Burger in Town“. Es gibt ja nur diese eine BurgerBude!

Doch wollen wir die Stadt Esperance nun nicht als werbemäßigen Prügelknaben herhalten lassen. Wir erleben sie als einen sehr angenehmen, malerischen Küstenort. Die Esplanade mit ihren hohen, grobnadeligen Christmas Trees entlang zu flanieren, hat schon etwas. Die an dieser Strandpromenade liegenden Parks strahlen viel Erholsames aus, besonders jetzt im beginnenden Frühling. Allerdings treffen wir bei den kühlen, zum Teil regnerischen Wetterverhältnissen wie in einem launischen April nur auf wenige Spaziergänger oder Touristen. Als  Prunkstück dieser Strandpromenade erhebt sich an der nicht für Boote vorgesehenen Jetty das Stahl-Holz-Glaskunstwerk einer örtlichen Glaskünstlerin. Eine hohe, ins Meer eintauchende Walflosse glitzert in den hin und wieder aufblitzenden Sonnenstrahlen. Diese sehr gelungene Skulptur wirkt wie ein Fenster zum Ozean.

Esperance An der Seepromenade
Esperance An der Seepromenade

Der Gattung Fisch bzw. einem daraus entstehenden Produkt widmet sich auch die kleine, außergewöhnliche Fabrik (mit Verkaufsraum) „mermaid leather“. Wer hat schon einmal die Herstellung von Leder aus Fischhaut miterlebt? Hier können wir es. So gut wie jeder Fisch eignet sich für größere und kleinere Produkte, von der Kugelschreiberumhüllung bis zur Handtasche. Dabei werden die Fische nicht extra wegen der Handtaschen aus dem Wasser gezogen. Sondern das von der Fischindustrie sonst nicht verwertbare Restmaterial, z.B. nach dem Filettieren für die Fischstäbchen, also die Fischhaut, kommt in die Gerberei und Färberei. Selbst die Schuppen bleiben nicht unverwirtschaftet. Sie werden eingefärbt und als Deco-Streumaterial verwendet. Er setze so eine Tradition der Wikinger fort, erläutert der Besitzer. Man sollte diesem kleinen touristischen Farbtupfer ruhig einmal einen Besuch abstatten.

Für das etwas außerhalb liegende nachgebaute „Stonehenge“ mögen wir nicht so vorbehaltlos unsere Empfehlung aussprechen. Es wird zwar versichert, dass es die Ausmaße des englischen Originals hat. Doch erhebt es sich etwas trostlos, optisch betonartig und kantig (obwohl rund) auf einem ortsnahen Feld. Der das Gebilde umgebende Sichtzaun soll wohl eine Ansicht von der Straße aus verhindern. Dafür kann dann das große Schild mit den Eintrittspreisen und der Grenzlinie zum Eintrittszwang nicht übersehen werden.

Vogelschwarm am Pink Lake
Vogelschwarm am Pink Lake

Als „must do“ allerdings bezeichnen wir zwei Naturerlebnisse in der Gegend von Esperance. „The Great Ocean Drive“ – nicht zu verwechseln mit der weltberühmten „Great Ocean Route“ – führt uns  auf seinem knapp 40km langen Rundweg in das westliche Umfeld der Stadt. Zunächst geht es zum „Pink Lake“, der wegen der kühlen Temperaturen und den damit nicht blühenden Beta-Carotin haltigen Algen regulär blau-grau schimmert. Entschädigt für den fehlenden ungewöhnlichen Farbgenuss werden wir durch einen immensen weißen Vogelschwarm, der wie auf Kommando mal nach links, mal nach rechts, mal hinunter, mal hinauf durch die Lüfte flattert. Die Verhaltensähnlichkeit zu Fischschwärmen bleibt dabei unübersehbar.

Weiter schlängelt sich die Straße durch Dünenlandschaft zum eigentlichen Namensgeber der Panoramastraße, dem Southern Ocean. Durchwachsene Wetterverhältnisse erzeugen hier an der australischen Südwestküste hohe, weiß schäumende Gischt, die sich auf den abgeschliffenen, runden Felsen bricht. Gesellen sich dann noch einige Windböen und vielleicht ein Sonnenstrahl hinzu, kann man in der Tat von einem äußerst pittoresken Naturschauspiel sprechen. Wir nehmen uns einen halben Tag Zeit für diesen Rundkurs, um an möglichst vielen der ausgezeichneten Aussichtspunkte einen Stopp einlegen zu können.

Esperance Great Ocean Drive
Esperance Great Ocean Drive

Der andere Anziehungspunkt in Sachen Natur befindet sich auf der gegenüberliegenden, der östlichen Stadtseite. Rund 30 Minuten gilt es  zu fahren, dann stehen wir am Eingang des Cape Le Grand National Parks. In der Parkwerbung finden wir ihn als einen der „am besten bekannten und spektakulärsten“ National Parks von Westaustralien tituliert, mit dem Zusatz, dass die Lucky Beach den „weißesten Strand“ besitzt. Leuchtend weiß strahlt der Sandstrand in der Nachmittagssonne tatsächlich, blendend fast. Das Farbspektakel wird verstärkt durch das kristallklare, azurblaue Wasser und die die Bucht umgebende, grün bewachsene Berglandschaft. Die weiteren Buchten des National Parks, wie z.B. die mit riesigen Felsgebilden garnierte Thistle Cove stehen diesem Anblick eigentlich in nichts nach. Bereits bei der Anfahrt können wir die Bergkuppen des Parks ausmachen. Sie ragen alle rund 200m bis 500m in die Höhe, in der flachen, australischen Landschaft weithin sichtbare optische Anziehungspunkte. Als König unter den Gipfeln regiert der „Frenchman Peak“ das Blickfeld. Seine Felsspitze ähnelt aus der Ferne der Silhouette eines Tapirs. Dabei handelt es sich aber bei näherem Hinschauen um eine attraktive Felsenbrücke direkt auf dem Gipfel. Wer mag, sollte den dreistündigen Berganstieg in Angriff nehmen.

Frenchman Peak
Frenchman Peak

Esperance, so bezeichnet nach einem gleichnamigen europäischen Entdeckerschiff aus dem 18. Jahrhundert, stellt für uns ein wunderschönes Einfallstor zur westaustralischen Südküste dar.

Einst ein blühender Industriehafen für die Phillips River Goldfields muss das kleine Hopetoun/Hopetown seine Hoffnung nun ganz auf die Tourismusbranche verlagern. Die Goldmine wurde geschlossen und damit der Hafen überflüssig. Heute versucht man durch touristische Infrastruktur eine wenig von dem Verlust wieder wettzumachen. Wer Meeresidylle, Ruhe und Angel-Gelegenheiten sucht, ist in dem winzigen Ort gut aufgehoben.  Nicht ohne Erfolg bemüht man sich mit viel Mühe die Jetty und den angrenzenden Picknickpark wohlgefällig zu gestalten.

Hoffnungsfroh warten die Organisatoren im 50km landeinwärts liegenden Ravensthorpe auf Besucher für ihre „Wildflower Show“. So klein und unscheinbar das Dorf, so groß die Ausstellung. Für das 10-tägige Wildblumenfestival wurde extra die Ortsbibliothek ausgeräumt. In mehreren Räumen wird nunmehr statt Bücher Floristisches präsentiert. Der Sachverstand, der sich in dieser einmaligen Ausstellung verbirgt, wird schnell spürbar. Das Dorf muss eine Menge sachkundiger Blumenfreunde beherbergen. Alle Spezies sind säuberlich eingruppiert und beschriftet. Ob die Bibliothek auch außerhalb dieses Festivals in einer solch vielfältigen Farbenpracht erstrahlt? Wir sind hingerissen von diesem kleinen touristischen Juwel.

Ravensthorpe Wildflower Show
Ravensthorpe Wildflower Show

Knapp 300km weiter westlich nähern wir uns Südwestaustraliens Metropole, dem 26.000 Einwohner zählenden Albany. Welche Stadt kann schon von sich behaupten, von National Parks umringt zu sein. Albany kann es. Alle Parks liegen nicht weiter als eine Autostunde von der Stadt entfernt.

Im Norden schirmen die Stirling Ranges mit dem namensgleichen National Park das Binnenland vor den Kapriolen des Southern Ocean ab. Mehrere 1.000m hohe Gipfel ragen wie auf einer Perlenschnur in den Himmel. Per Wohnmobil erklimmen wir den Lookout vom Bluff Knoll bis auf rund 400m. Der weite Blick über das Tal und im Rücken die Nähe der Felswand ergibt ein sehr malerisches Bild. Von hier aus beginnen auch die Wanderwege entweder talwärts (3-4 Stunden) oder ins Gebirgsmassiv hinein.

Ebenfalls nördlich, doch der Stadt schon erheblich näher, lockt der Porongurup National Park. Seine Hauptattraktion ist der Granite Skywalk. Wander- und kletterfest muss man hierfür schon sein, denn vor dem unbeschreiblichen Ausblick von den Felsenterrassen aus heißt es, 2,5km durch teilweise recht unwegsames Gelände den Granitfelsen hinauf zu kraxeln. Die oberste Terrasse kann dann nur noch über Eisenkrampen und eine Treppe erreicht werden. Doch die dreistündige Kletterwanderung lohnt in jedem Fall.

In Fahrradentfernung breitet sich direkt an der Küste, östlich von Albany der Gull Rock National Park aus. Besichtigungsrenner sind die oft schneeweißen Strände, eingebettet in felsige Buchten. Wer dieses Schauspiel ein weiteres Mal erleben möchte, fahre einige Kilometer weiter zur Two Peoples Bay Nature Reserve.

Albany Southern Ocean
Albany Southern Ocean

Die Albany vorgelagerte südliche Halbinsel ist fast vollständig als Torndirrup National Park ausgewiesen. Und sie hat es in sich, sowohl an naturell Spektakulärem wie auch an Historischem. Am besten erkundet man diese Halbinsel auf einer Rundfahrt immer entlang der Frenchman Bay Road. Überall ist diese Halbinsel auch bei ruhiger See von tosendem Meer umgeben. Immer wieder führen Abzweigungen zu den markanten Aussichtspunkten wie dem Sharp Point oder dem Quarantine Hill. Einen besonderen optischen Leckerbissen finden wir bei „The Gap & The Natural Bridge“. 35m tief fallen bei „The Gap/Die Lücke“ die senkrechten Felswände ins Meer hinab. Ein schmaler Einschnitt lässt unter höllischem Lärm die weißschäumende Gischt meterhoch empor spritzen. Tief dringt das Salzwasser in die schmalen Felsritzen ein, um dann sich überkugelnd wieder heraus zu quellen. Ebenso spektakulär bietet sich der Anblick bei der nur wenige 100m entfernten Felsenbrücke / Natural Bridge. Laut tosend brechen sich die Wogen auf der Felsplatte unter dem Granitbogen, schäumen die schräge Felsplatte unter dem Torbogen hinauf, ziehen sich augenblicklich zurück und werden von der nachfolgenden Welle sofort wieder eingefangen. Es könnte ein schon fast mystischer Ort sein an diesen beiden Sehenswürdigkeiten.

Natural Bridge
Natural Bridge

Ruhiger, wenn auch nicht weniger pittoresk, geht es danach beim Stony Hill bzw. den Blowholes zu. Ersterer bietet einen weiteren 360° Rundumblick, letztere versprühen in ihren Felsspalten durch den Druck der Dünung fein zerstäubende Wassertropfen. Im Wind tänzelnd ähneln sie Rauchschwaden.

The Gap
The Gap

An der Spitze dieser fantastischen Halbinsel, in der Discovery Bay, öffnet dann quasi als Schlusspunkt eine ehemalige Walfangstation (www.discoverybay.com.au)  ihre Pforten. So historisch alt ist sie allerdings gar nicht. Erst in den 1950ger Jahren wurde sie erbaut. Ihre wirtschaftliche Lebensdauer hat das 25-jährige Unternehmensjubiläum allerdings nur knapp erreicht. Denn in den späten 1970ger Jahren wurde sie wieder geschlossen. Die politische Diskussion über den Schutz der Wale und eine bevorstehende Gesetzesänderung ließen einen rentablen Betrieb nicht mehr zu. Dafür können wir heute ein informatives und ausgezeichnetes Open Air Museum besichtigen. whale-world-dscn7123Die einstündige, geführte Museumstour beleuchtet lebhaft sämtliche Aspekte des Walfangs, ehrlicherweise auch die negativen. Die ehemaligen, riesigen Tanks für das gewonnene Walöl sind umfunktioniert zu Ausstellungshallen und Kinosälen. In ihnen beleuchten die jeweiligen 15 Minuten dauernden Filme, teilweise in 3D-Format, nicht nur den seinerzeit bedrohten Wal, sondern ebenso die ausufernde Jagd auf Haie. Die früheren Walzubereitungsplattformen, Siedeöfen und eines der Walfangschiffe stehen gleichsam für eine Besichtigung bereit. Rund drei Stunden verbringen wir in diesem Zeitzeugnis einer jüngeren, doch bereits vergangenen Epoche.

Bei so viel tosendem Meer, welches uns in Albany und Umgebung umgibt, bleibt eine Bootstour in den King George Sound natürlich nicht aus. Die australische Südküste ist berühmt für ihre vorbeiziehenden Wale. Wir vertrauen uns dem Skipper John von den Albany Whale Tours an (www.albanywhaletours.com.au).

Albany Whale Tour
Albany Whale Tour

Fast vier Stunden lang durchkreuzen wir die Bucht und den angrenzenden Southern Ocean auf der Suche nach den Meeresgiganten. Natürlich erfolgt vor Fahrtbeginn die erforderliche Sicherheitsbelehrung, doch John belässt es nicht mit Erklärungen zum Anlegen der Schwimmwesten etc. Er steigt ein in die Funktionsweise des vegetativen Nervensystems und wie man sich mit dessen Hilfe gegen die Unbillen von Seekrankheit schützen kann. Die Denkweise spielt eine große Rolle dabei. So soll man sich besonders bei rollender See vorstellen, dass man sich auf einem Spaziergang befindet und diese Laufbewegungen dann nachvollziehen. Eine Minute Gehbewegung, auch im Sitzen, durch ständiges Tippen der Fußsohlen auf den Fußboden können Wunder bewirken. Nicht der Toilettengang schafft die erhoffte Erleichterung, sondern die frische Luft mit einem weiten Blick. John: „You don’t need privacy, you  a friend.“ Wohltuende Unterstützung erhält der Magen zusätzlich durch Gingerbonbons und Gingertee.

John und seine Crew haben für alles vorgesorgt, optisch wie genüsslich. Bei relativ starkem Wind und entsprechendem Wellengang gleitet der mit einem riesigen Segel ausgerüstete Katamaran in die Bucht hinein. Der Flurfunk meldet drei gesichtete Wale auf westlichem Kurs. Mit Hilfe von Sonarortung begeben wir uns in die entsprechende Richtung. Je weiter wir uns dem offenen Meer nähern, je rollender wird die Dünung, je häufiger sind die Wanderbewegungen der Passagiere zu beobachten. Die Crew bemüht sich rührend und die Gäste und verabreicht nicht nur Tee, sondern auch kleine Snacks wie Würstchen im Schlafrock, Gemüseburger, Hähnchennuggets und himmlisch leckere Scones. Die Crewmitglieder müssen wohl früher im Zirkus als Artisten gearbeitet haben. Ihre Balanceakte, die Leckereien bei stark schaukelndem Schiff zu den Gästen zu bringen, hat schon etwas Artistisches.

Wie geht es den Walen, denn wir sind ja auf Whale Watching Tour? Sicherlich gut! Wir haben sie allerdings noch nicht ausfindig machen können. Entschädigt werden wir dafür durch den Anblick einmalig felsiger Insellandschaft, spielender Delfine, mehrerer Seelöwenkolonien und kreisender Basstölpel. Drei Stunden sucht John die Gewässer ab. Die Meeresgiganten sind und bleiben unentdeckbar. So schippern wir denn allmählich wieder Richtung Albany Waterfront Marina. Die einen atmen erleichtert auf, dass sie die Wanderbewegungen allmählich einstellen können. Andere, besonders diejenigen, welche direkt am Bug von den Wellen ordentlich durchnässt wurden, hüllen sich in Decken und wärmen sich mit Gingertee. Von Enttäuschung wegen der erhofften aber ausgebliebenen Walbeobachtung ist jedenfalls nichts zu spüren. Das tut auch nicht not, denn John bietet als Ausgleich eine weitere, kostenfreie Fahrt an, am folgenden Tag oder auch später. Eine außergewöhnliche Geste! Wie richtig er mit diesem Angebot liegt, zeigt sich bei der erneuten Cruise am folgenden Tag. Ein Walweibchen mit Jungtier lässt sich blicken und fotografieren.wal-imgp4541

Vergessen wir bei so viel Natur nicht die Stadt selbst. Für uns präsentiert sie sich als eine der schönsten Australiens. Wenn man die zentrale York Street hinunter bummelt, eröffnet sich ein vorzüglicher Blick auf den King George Sound, der einer abgeflachten norwegischen Fjordlandschaft ähnelt. Eingebettet, um nicht zu sagen eingeklemmt, ist die York-Einkaufsstraße zwischen zwei Hügeln mit perfekter Aussicht. Der westliche Granitfelsen, der Mount Melville lässt die Blicke schweifen über den inneren Sund. Der östliche Hügel besteht eigentlich aus zwei Gipfeln, dem Mount Clarence und dem Mount Adelaide, mit Ausblick auf das offene Meer. Beide Gipfel sind neben überbordendem Grünbewuchs bepackt mit Historischem. Auf dem Mount Clarence wird einem ehemaligen großen Hoffnungsträger, dem Padre White gedacht, der hier viele Jahre hindurch der St. John’s Kathedrale vorstand. Eng verbunden mit seinem Namen sind andere Monumente, wie das zu Ehren der Mounted Light Cavallerie (1916 Ägyptenkrieg) auf dem gleichen Hügel errichtete. Gegenüber auf dem Mount Adelaide steht dann das National ANZAC  Center. Albany gilt als Geburtsort dieser Militärgemeinschaft Australien-Neuseeland. Von hier aus starteten 1914 die ersten gemeinsamen Militärkonvois zum fernen Europa. Multimedial ausgestattet  können wir Einzelschicksale aus dieser Epoche verfolgen, unter anderem auch den Werdegang des deutschen Schriftstellers Ernst Jünger.

Albany Mount Clarance
Albany Mount Clarance

Im Stadtgebiet gibt es aber natürlich auch noch viel anderes zu entdecken, wie z.B. das Western Australian Museum, The Old Goal / Historisches Gefängnis oder eben auch die zahlreichen Kirchen der Gemeinde.

Drei ausgefüllte Tage Albany-Besuch. Sie verfliegen wie im Wind. Man könnte gern noch etwas länger verweilen.

Uns zieht es jedoch weiter Richtung Westen immer die Südküste entlang. Das „Tal der Baumriesen / The Valley of the Giants“ wartet auf uns ebenso wie Australiens Südwestspitze, das Cape Leeuwien. Darüber berichten wir dann im nächsten Kapitel.

K&K 79 – Eine Umrundung wird vollendet

Ein letztes Mal richten wir unsere Fahrt ostwärts ins Outback  über den Great Eastern Highway. Auf ihm folgen wir dem historischen Golden Pipeline Heritage Trail 500km von der Westküste zur Goldgräberstadt Kalgoorlie-Boulder.  Diese Pipeline repräsentiert sicherlich optisch nichts Spektakuläres. Sie wird in Ehren gehalten, denn sie stellte ab 1903 über viele Jahrzehnte die Süßwasserversorgung im Bergwerks -Outback sicher. Grund genug, sie ins Register des Australian National Trust aufzunehmen.

Noch einmal Outback
Noch einmal Outback

Doch die angenehmen optischen Früchte nehmen zu, je weiter wir wieder ins Outback vorstoßen. Am Wegesrand des Great Eastern Highways,  35km östlich vom Städtchen Southern Cross schimmert grau-grün der Weowanie Rock aus dem Buschland hervor. Noch weiter östlich durchkreuzt die Straße den Boorabbin National Park. Wie gewohnt ändert sich die Landschaft nicht, nur ein Schild weist auf die besondere Schutzzone hin.

Outback Wildflowers
Outback Wildflowers

Nunmehr wieder 500km von Perth entfernt, beginnen die berühmten Goldfields Australiens. Das Dorf Coolgardie macht den Auftakt der Gold-Rush-Siedlungen. Hier begann auch die gesamte Goldgeschichte mit den „Gold Discoveries“, denn hier wurde das erste nennenswerte Gold gefunden. Seinen glücklichen Finder machte dieser  „Golden Eagle Nugget“   steinreich(1931). Die nachfolgenden Glückssucher hatten indes mehr mit brutalen Lebensbedingungen zu kämpfen als durch lebensverändernde Goldfunde zu Ruhm und Geld zu gelangen. Das kommunale Goldfields Exibition Museum nimmt sich dieser Erbschaft an. Es beschränkt sich dabei nicht auf die eigentliche Goldgeschichte. Sonderausstellungen wie z.B. die „Pharmacy Collection“ oder die „Famous Waghorn Bottle Collection“ ergänzen dieses sehr besuchenswerte Museum.

Kalgoorlie Hannan Street
Kalgoorlie Hannan Street

Nun sind es nur noch 40km bis ins Herz der Goldgräberei, bis zur Zwillingsstadt Kalgoorlie Boulder. Wir nennen sie eine Stadt mit „Charakter“. Der Bergbau, historischer wie aktueller, prägt die Stadt samt Region. Beide früher unabhängigen Stadtteile unterscheiden sich jedoch erheblich voneinander. Boulder bildet den kleineren Part. Ein Erdbeben mit einem Epizentrum nur 5km unter der Erdoberfläche zerstörte 2010 die Haupteinkaufsstraße, die Burt Street. Umso erstaunlicher zeigt sie sich nunmehr, nur einige Jahre später in wiederaufgebautem, historisch restauriertem Gewande.

Der attraktivere Teil liegt aus unserer Sicht jedoch eindeutig in der anderen Hälfte, in Kalgoorlie. Deren Zentrum präsentiert sich als gelungene Mischung aus moderner City, gepaart mit historischem Flair der Gold-Rush-Ära. In hellen Farben leuchtet die Town Hall an der Hannan Street, ein Hingucker. Farbenfroher, mit Türmchen und Balkonen verziert, prunken die beiden Nobelhotels, das Palace Hotel und das Exchange Hotel am Straßenrand. Ins Auge sticht  das Eingangstor der City Markets mit angrenzendem St. Barbara Platz. Und so ließe sich bei der 1,5km langen Prachtstraße noch viel mehr Bestaunenswertes aufzählen. Man muss auf dieser Hannan Street einfach entlang schlendern, um das Flair einzuatmen. Überragt wird die Stadt durch zwei riesige Fördertürme, der eine museal, der andere in Betrieb.

Eine Bronzestatue des Namensgebers Patrick (Paddy) Hannan befindet sich natürlich auch auf dieser Meile, direkt bei Visitor Center Durch seinen ersten Goldfund 1893 gilt der Ire als Auslöser der dann schnell aufblühenden Stadt. Heute können sich die Passanten an dem Trinkwasser laben, welches aus seiner modelierten Trinkflasche sprudelt.

Zwei besondere Museen wollen wir hervorheben, das Railway Museum am ehemaligen Bahnhof in Boulder. Das andere, das Westaustralian Kalgoorlie-Boulder-Museum im Stadtteil Kalgoorlie, beherbergt nach eigenen Angaben die umfangreichste Sammlung an Gold Nuggets. Im Panzertür gesicherten Kellergewölbe können wir sie uns ansehen.

Kalgoorlie Palace Hotel
Kalgoorlie Palace Hotel

Wer es historisch mag, der kann die Doppelstadt mit den „Hop-on-Hop-off-City Tram-Tours“ (www.loopline.com.au) erfahren. Der ca. zwei Stunden dauernde Rundkurs mit Aus- und Zusteigemöglichkeiten den ganzen Tag über, läuft nicht nur diese beiden Museen an, sondern eine Reihe weiterer Sehenswürdigkeiten. Höhepunkte auf diesem Rundkurs sind dabei sicherlich der Mt Charlotte Lookout, mehr noch der Lookout über dem Super Pit. 5km lang, 1,5km breit und  500m tief misst die Tagebaumine, in der Tag und Nacht nach dem Edelmetall gesucht wird. Offensichtlich gestaltet sich das Geschäft sehr einträglich, denn die Doppelstadt ist nicht grundlos auf knapp 32.000 Einwohner angewachsen.

Aus der städtischen Infrastruktur, der damaligen wie heutigen, ist eine Institution nicht wegzudenken. Noch nicht volljährige Leserinnen und Leser müssen den folgenden Absatz überspringen. Warum? Wir sprechen von dem ortseigenen „brothel“, dem Bordell. Zu Zeiten des Gold Rush reihte sich in der Hay Street  sich ein Etablissement an das andere. Heute öffnet nur noch ein Haus seine Türen. Was gibt es Besonderes an und in ihm? Nun, es ist sicherlich schon ungewöhnlich, dass über das Visitor Center die tägliche „Qesta Casa“ Tour gebucht werden kann unter dem Motto „The History of Hay Street – Tour the Only Original Brothel Left“. Hier begegnen sich Historie und Aktualität. 25AUD / rund 16€ kostet das Vergnügen. Der Rundgang startet täglich um 15 Uhr vor Beginn des abendlichen Betriebes. Sämtliche Dienstleistungen bleiben für diejenigen Besucher umsonst, die sich bereit erklären, dass ihr Besuch im Etablissement auf Video aufgezeichnet und später dann im Internet veröffentlicht werden darf. Ist doch ein tolles Sparprogram!

Kalgoorlie Super Pit
Kalgoorlie Super Pit

Es wird Zeit, die Richtung zu ändern. 500km verbleiben uns noch bis zur Südwestküste in Esperance. Bei einem Zwischenstopp im Minenort Kambalda (50km südlich von Kalgoorlie Boulder) kommen wir mit dem Besitzer des örtlichen Hotels/Motels ins Gespräch. Er erlaubt uns, auf seinem hoteleigenen Parkplatz in unserem Wohnmobil zu übernachten (just for free). Damit nicht genug. Kurz darauf erscheint er wieder und spendiert den Abendtrunk, eine Flasche köstlichen australischen Weißweins – ein weiteres Beispiel von Aussie-Gastfreundschaft.

Umrundung geschafft
Umrundung geschafft

Ein Kreis schließt sich nach weiteren 130km südlich. Wir erreichen die Stadt Norseman. Hier endet auch der Eyre Highway durch die Nullarbor Wüste, der 2.500km östlich in Ceduna beginnt und fast die gesamte Südküste entlang führt. Vor rund sechs Monaten haben wir diese Nullarbor Wüste durchquert bis eben zum westlichen Endpunkt Norseman (vgl. Kapitel „Auf der Nullarbor-Piste“).

Die Umrundung des 5. Kontinents ist gelungen! Somit beginnen wir den Schlussspurt entlang der südwestlichen Küste bis wieder hinauf nach Perth.